Honorarprofessur widerspricht der Zivilklausel – kein Kriegsbefürworter als Lehrkraft!

Erklärung des Arbeitskreises Universität in ziviler Verantwortung

Lehre, Forschung und Studium an der Universität sollen friedlichen Zwecken dienen, das Zusammenleben der Völker bereichern und im Bewusstsein der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen erfolgen.“
(Präambel der der Grundordnung der Universität Tübingen)

Während sich Tübingen gerade als Friedensstadt feiert, tritt die Universität ihre Grundsätze mit Füßen und benennt einen ausgewiesenen Kriegsbefürworter zum Honorarprofessor.

Der „Militärstratege“ (Schwäbisches Tagblatt, 14.05.2011) und Organisator der „Münchner Sicherheitskonferenz“ Wolfgang Ischinger, dessen Auftritte in Tübingen bereits deutliche Proteste auslösten, ist nun Honorarprofessor und Lehrkraft am Institut für Politikwissenschaft.

Ischingers Wirken an der Universität steht unter dem Vorzeichen seines Credos, dass „Krieg immer nur das geringere Übel“ (ebd.) sein dürfe, während für ihn der Einsatz des Militärs quasi als normales Instrument des so genannten „internationalen Krisenmanagements“ gilt. Eine fatale Idee, denn sie dient in keiner noch so abstrakten Form dem „friedlichen Zusammenleben der Völker“ oder erhält die „natürlichen Lebensgrundlagen“. Wolfgang Ischinger für diese Ideen an der Universität Tübingen ein Forum einzuräumen mag der wissenschaftlichen Diskussion dienen, ihn allerdings als „Honorarprofessor“ zur Vorbildfigur für Studierende zu erheben und damit ihn, und die mit ihm verknüpfte positive Grundhaltung zum Krieg als Mittel der Politik, zu ehren, entwertet die Zivilklausel der Universitätsgrundordnung.

Die Tübinger Zivilklausel hat Vorbildcharakter für die Wissenschaftslandschaft in Deutschland – sie ist ein guter Ausgangspunkt, um der fortschreitenden Militarisierung der Hochschulen entgegenzutreten. Die Universität hat es aber ganz offensichtlich versäumt, einen Mechanismus zu finden, wie denn der Zivilklausel Geltung zu verschaffen ist. Die Universitätsleitung behandelt die Grundordnung als unverbindliches Stück Papier, das einen positiven Eindruck vermitteln soll, während man sie hinter den Mauern gelehrsam umgeht.

Wir fordern die Universität Tübingen auf:

- die in der Grundordnung verankerte Selbstverpflichtung zu respektieren;

- Mechanismen zu etablieren, die eine transparente Überprüfung der Vereinbarkeit von Forschung und Lehre mit den in der Grundordnung festgelegten Zielen erlauben;

- die Verleihung der Honorarprofessur an Herrn Ischinger rückgängig zu machen.

Der Arbeitskreis Universität in ziviler Verantwortung des Runden Tisches der Tübinger Friedensbewegung